Frankfurt-Session vs. London-Session: Welche bringt mehr?
Wer regelmäßig europäische Märkte handelt, kennt das Gefühl: Der Wecker klingelt um 7:55 Uhr, der erste Kaffee ist noch heiß, und auf dem Chart beginnt sich bereits etwas zu bewegen. Aber welche dieser beiden trading sessions ist für dein Setup wirklich relevanter – die Frankfurt-Session ab 8:00 Uhr oder die London-Session ab 9:00 Uhr MEZ?
Die kurze Antwort: Das hängt stark davon ab, was du handelst, wie dein Setup aussieht und welche Volatilität du brauchst. Die lange Antwort findest du im Folgenden.
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Was sind die europäischen Trading Sessions überhaupt?
Bevor wir vergleichen, kurz zur Einordnung. Der globale Handelstag teilt sich klassisch in drei große trading sessions auf:
- Asien-Session: ca. 00:00 – 09:00 Uhr MEZ (Tokio, Sydney)
- Europa-Session: ca. 08:00 – 17:00 Uhr MEZ (Frankfurt, London, Zürich)
- US-Session: ca. 15:30 – 22:00 Uhr MEZ (New York, Chicago)
Innerhalb der Europa-Session gibt es aber einen deutlich spürbaren Unterschied zwischen dem frühen Morgen – der frankfurt-session – und dem Beginn der echten europäischen Kernzeit mit London ab 9:00 Uhr MEZ.
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Die Frankfurt-Session: 8:00 – 9:00 Uhr MEZ
Die Xetra eröffnet um 9:00 Uhr, aber der Futures-Handel am DAX (FDAX) und der EURO STOXX 50 läuft bereits ab 8:00 Uhr. Das ist genau das Zeitfenster, das viele erfahrene Trader als "Pre-London-Window" bezeichnen.
Was passiert in dieser Stunde?
In den meisten Fällen passiert in der Frankfurt-Session eines dieser drei Szenarien:
- Fake-Move und Reversal: Der Markt testet das Overnight-High oder -Low, triggert Stop-Orders und dreht dann wieder zurück. Klassisches Stop-Hunting-Verhalten.
- Echter Impuls mit Fortsetzung: Wenn ein relevanter News-Katalysator vorhanden ist (z. B. Deutsche Inflation, EZB-Kommentare), kann sich ein Trend etablieren, der bis London weiterläuft.
- Enge Range: Keine Bewegung, niedriges Volumen, der Markt wartet auf London.
Geeignet für welche Trader?
Die frankfurt-session ist interessant für:
- Scalper, die auf den initialen Gap-Fill setzen (z. B. Gap zum Vortagsschluss)
- Breakout-Trader, die den FDAX oder DAX-Micro (MFDAX) auf klare Vorbörsenniveaus handeln
- Trader, die News-basierte Setups spielen (Wirtschaftskalender 8:00–9:00 Uhr)
Für Swing-Trader oder Positionshändler ist dieses Fenster meistens irrelevant – zu viel Rauschen, zu wenig institutionelles Commitment.
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Die London-Session: 9:00 – 12:00 Uhr MEZ (Kernzeit)
Ab 9:00 Uhr MEZ ändert sich das Bild schlagartig. Die london-session forex ist – gemessen am Umsatz – die mit Abstand größte Handelszeit der Welt. London verarbeitet laut BIS-Daten (2022) rund 38 % des globalen Devisenhandels. Das spiegelt sich direkt in der Preisbewegung wider.
Warum London dominiert
Wenn London öffnet, treten institutionelle Marktteilnehmer mit echtem Kapital auf den Plan:
- Großbanken (Barclays, HSBC, Deutsche Bank) führen Kundenorders aus
- Hedgefonds und Asset Manager rebalancieren Portfolios
- Algorithmische Systeme reagieren auf Liquiditätserhöhung
Das Ergebnis: Breitere Spreads in den ersten Minuten, aber danach deutlich höheres Volumen und sauberere Trendbewegungen als in der Frankfurt-Session.
Konkrete Zahlen aus der Praxis
Wer den EUR/USD intraday handelt, sieht den Unterschied sofort:
- 8:00–9:00 Uhr: Durchschnittliche Stundenbewegung ~15–25 Pips
- 9:00–11:00 Uhr: Durchschnittliche Stundenbewegung ~35–55 Pips
Ähnliches gilt für den DAX: In der London-Session ist das durchschnittliche Stundenvolumen oft doppelt so hoch wie in der Frankfurt-Pre-Session. Das bedeutet niedrigeres Slippage-Risiko, bessere Ausführung und zuverlässigere technische Niveaus.
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Der direkte Vergleich: Frankfurt vs. London
| Kriterium | Frankfurt-Session (8–9 Uhr) | London-Session (9–12 Uhr) |
|---|---|---|
| Volumen | Mittel | Sehr hoch |
| Volatilität | Gering bis mittel | Mittel bis hoch |
| Fake-Moves | Häufig | Seltener (aber möglich) |
| News-Reaktionen | Ja, aber kurzlebig | Ja, nachhaltiger |
| Geeignete Stile | Scalping, Gap-Trading | Alle Stile |
| Spreads | Etwas weiter | Eng (ab ~9:10 Uhr) |
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Wann die Frankfurt-Session doch gewinnt
Es gibt Situationen, in denen die Frankfurt-Session die bessere Wahl ist:
1. Gap-Trading am DAX
Wenn der DAX mit einem signifikanten Gap von mehr als 0,5 % öffnet, bietet das erste Handelsfenster oft die beste Gelegenheit für Gap-Fill-Setups. Das Ziel: Der Markt füllt 50–80 % des Gaps, bevor London übernimmt.
Beispiel: DAX schließt am Dienstag bei 18.250. Mittwochmorgen öffnet der FDAX bei 18.150 (100-Punkte-Gap nach unten wegen US-Abverkauf über Nacht). Typisches Szenario: Gap-Fill bis 18.200 in den ersten 30 Minuten, danach Übernahme durch London-Momentum.2. Deutsche Makrodaten
Veröffentlichungen wie CPI Deutschland (8:00 Uhr), Ifo-Index (10:00 Uhr) oder ZEW-Erwartungen (11:00 Uhr) können in der Frankfurt-Session scharfe, handelbare Reaktionen auslösen – besonders im EUR/USD und im DAX.
3. Niedrige Overnight-Volatilität (enge Range)
Wenn die Asien-Session eine extrem enge Range hinterlässt, kann das erste Ausbrechen dieser Range in der Frankfurt-Session einen sauberen, messbaren Trade liefern. Vorbedingung: Klares Niveau, klarer Trigger, definiertes Stop-Loss.
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Typische Fehler beim Handeln beider Sessions
Viele Trader – besonders Einsteiger – machen folgende Fehler:
- Sie handeln blind den 8:00-Uhr-Open, ohne zu prüfen, ob Volumen oder News-Katalysatoren vorhanden sind
- Sie verpassen den London-Einstieg, weil sie in der Frankfurt-Session bereits falsch positioniert sind und mentale Blockaden entstehen
- Sie verwechseln Volatilität mit Handelbarkeit: Eine schnelle 30-Punkte-Bewegung im DAX um 8:15 Uhr ist ohne entsprechendes Volumen oft eine Falle
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Welche Session passt zu welchem Instrument?
Nicht jedes Instrument reagiert gleich auf die verschiedenen trading sessions:
DAX / FDAX / MFDAX
- Frankfurt-Session: Relevant (Gap-Fill, Pre-Market-Niveaus)
- London-Session: Sehr relevant (Haupthandelszeit, höchste Liquidität)
EUR/USD, GBP/USD
- Frankfurt-Session: Gering relevant (Forex öffnet schon um 0 Uhr, London dominiert)
- London-Session: Dominant – die london-session forex ist für EUR/USD die wichtigste Tageszeit überhaupt
NQ-Futures / US-Indizes
- Frankfurt/London: Nur indirekt (Stimmungsübertragung, keine direkte Liquidität)
- Relevant erst ab 15:30 Uhr MEZ
Micro-Kontrakte (MES, MNQ, MFDAX)
- Geeignet für beide trading sessions, weil niedrigeres Kapitalrisiko das Experimentieren in der volatilenFrankfurt-Session erlaubt
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Meine Empfehlung: Kombiniere beide Sessions bewusst
Das beste Setup ist kein Entweder-Oder. Viele professionelle Intraday-Trader nutzen die Frankfurt-Session zur Orientierung und Niveau-Identifikation, handeln aber ihren ersten Trade erst in der London-Session, wenn Volumen und Richtung klarer sind.
Konkreter Workflow:
- 7:45 Uhr: Chart-Check, Vortagsniveaus markieren, Wirtschaftskalender prüfen
- 8:00–9:00 Uhr: Beobachten, Gap-Struktur einschätzen, erste Reaktionen notieren
- 9:00–9:15 Uhr: London-Open abwarten, kein voreiliges Trading
- 9:15–11:30 Uhr: Kern-Handelszeit, Setup umsetzen, wenn Volumen und Richtung bestätigen
- Danach: Trade-Auswertung, Journal-Eintrag, fertig
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Wer beide trading sessions systematisch auswerten will – welche Setups in welchem Zeitfenster wirklich funktionieren, wie hoch der Profit Factor je Session ist und wo die meisten Verluste entstehen – dem hilft TradeLog, das strukturierte Journaling-Tool, das genau diese Art von zeitbasierter Performance-Analyse ermöglicht.